So werden Ihre Rezensionen gelesen

Machen Sie diese typischen Fehler?

Vermeiden Sie Fehler beim Schreiben einer Rezension

"Rezensionen von Vine-Produkttestern oder Leuten, die ein Produkt kostenlos erhalten haben, ignoriere ich einfach."

"Ich schaue mir die positiven Rezensionen überhaupt nicht mehr an, nur noch die negativen."

Das sind nur zwei von vielen ähnlichen Aussagen, die ich in der letzten Woche in Foren gelesen habe. Woher kommen Einstellungen wie diese? Haben wir Tester etwa durch unser Verhalten dazu beigetragen, dass man uns oft nicht mehr ernst nimmt? Wenn Sie wissen möchten, was man besser machen könnte, lesen Sie weiter.

 

Zu unkritisch und enthusiastisch

Ein Vorwurf, der immer wieder auftaucht ist, dass man ein Testprodukt schon alleine deshalb positiv bewertet, weil man es kostenlos erhalten hat und weil man sonst keine weiteren Produkte des selben Verkäufers bekommt. Wenn man sich die Rezensionen zu manchen Produkten durchliest muss man leider feststellen, dass einige "Tester" anscheinend wirklich den kritischen Blick gerne mal komplett ausschalten. Wie sollte man sich sonst erklären, wenn in einer Rezension ein mittelmäßiges Produkt als "genial", "Non-Plus-Ultra" oder "bestes Produkt überhaupt" gelobt wird? Es gibt Rezensenten, bei denen sich die Bewertungen lesen als wäre Baron Münchhausen zurückgekehrt und arbeitet jetzt im Marketing.

 

Wir beschweren uns immer, wenn in der Politik ein neuer Fall von Korruption bekannt wird. Wie kann man nur? Wer sich aber selber für eine fünf Euro teure Handyhülle verkauft ist nicht besser. Dabei ist das aus mehreren Gründen eine äußerst kurzsichtige Herangehensweise.

 

Fürchten Sie, keine weiteren Testangebote mehr zu bekommen, wenn Sie eine negative Rezension schreiben? Das ist unbegründet. Wer in diversen Testportalen angemeldet ist und bei Amazon von Verkäufern direkt angeschrieben wird, wird immer genug Angebote erhalten. Viel wichtiger ist, als wie hilfreich andere Kunden einen bewerten. Wer glauben Sie kriegt mehr hilfreich-Bewertungen, ein erkennbar ehrlicher Rezensent, der auch Negatives aufzeigt oder ein Jubelperser, der als gekauft rüberkommt? Wer glauben Sie kriegt mehr Angebote von Verkäufern? Ein unkritischer Fünf-Sterne-Rezensent mit 70 % hilfreich oder ein kritischer mit ausgewogenen Rezensionen und 90 % hilfreich?

Kann es passieren, dass sie vom selben Verkäufer kein Angebot mehr bekommen? Ja, klar. Meine Antwort darauf ist: Na und? Sind Sie wirklich darauf angewiesen weitere mittelmäßige Produkte zugeschickt zu bekommen, für die Sie sich dann wieder Lobeshymnen aus den Fingern saugen müssen? Eher nicht.

 

Wollen Sie riskieren, dass Sie niemand mehr ernst nimmt oder Amazon Sie sogar sperrt, weil Sie nur noch Fünf-Sterne-Bewertungen verteilen und Ihnen ein zu enges Verhältnis zu einem oder mehreren Verkäufern unterstellt wird? Wenn nicht, dann bleiben Sie einfach authentisch. Ein gutes Produkt verdient eine gute Bewertung, ein schlechtes Produkt eine schlechte. Mit einer guten Begründung erhalten negative Rezensionen oft deutlich mehr hilfreich-Klicks als positive.

 

Gute Verkäufer sollten übrigens auch ein eigenes Interesse an ehrlichen Rezensionen haben. Wenn Sie ein Produkt mit fünf Sternen versehen und es in den Himmel loben, obwohl es in Wirklichkeit seine Mängel hat, werden echte Käufer mit einer falschen Erwartung herangehen und im Zweifelsfall eine enttäuschte Ein-Sterne-Bewertung hinterlassen. Sind sie aber vorher informiert wo die Schwächen liegen, können Sie vor dem Kauf abwägen.

 

Zu lang und zu oberflächlich

Ein zweiter Grund, warum Rezensionen von Testern mittlerweile oft von anderen ausgeblendet werden sind künstlich aufgeblähte Rezensionen, die nicht in die Tiefe gehen.

Das kommt zum einen daher, dass viele denken eine lange und ausführliche Rezension ist grundsätzlich besonders hilfreich. Zum anderen gibt es Tester-Portale, die für längere Rezensionen mehr Punkte vergeben.

Je komplexer ein Produkt ist, umso länger darf auch die Rezension sein. Lange Rezensionen sind aber nur dann hilfreich, wenn sie auch entsprechend viele Informationen liefern.

 

Problematisch wird es immer dann, wenn man mehr schreibt als man tatsächlich zu sagen hat. Das kann passieren, weil es zu einem Produkt einfach nicht mehr sinnvolles zu sagen gibt, die Rezension aber noch zu kurz erscheint. Häufiger kommt es aber vor, dass man von einem Produkt nicht genug Ahnung hat oder nicht weiß, wie man die wichtigen Punkte herausarbeitet.

 

Generell gelten folgende Tipps:

  • Blähen Sie eine Rezension nie künstlich auf, nur damit sie länger wird. 
  • Testen Sie kein Produkt, für das Sie keine Verwendung und kein Interesse haben.
  • Testen Sie kein Produkt, von dem Sie nicht genug Ahnung haben.
  • Recherchieren Sie im Internet Hintergrundinformationen zum Produkt.
  • Finden Sie Ihr Spezialgebiet und testen Sie vor allem dazu passende Produkte.
  • Lernen Sie, wie Sie alles Wesentliche zu einem Produkt mitteilen und dabei auf den Punkt kommen.

Gerade zum letzten Punkt lohnt es sich, hier öfter vorbeizuschauen. Im Insider-Bereich finden Sie unter anderem eine Checkliste, was eine gute Rezension ausmacht und was Sie unbedingt vermeiden sollten. Dieser Bereich ist exklusiv für Abonnenten der Insider-Infos. Hier können Sie sich anmelden:

Bei aller berechtigten Kritik darf man eines nicht vergessen: Es gibt sehr viele Tester, die ihre Aufgabe wirklich ernst nehmen und sich bemühen, vor allem anderen Kunden eine echte Hilfe zu sein. Natürlich ist es schön, kostenlose Produkte zu bekommen, aber man muss eben auch bereit sein, einiges an Zeit und Arbeit zu investieren. Es gibt aber Möglichkeiten, den Aufwand zu optimieren. Dazu demnächst mehr.

 

Was stört Sie sonst noch an den Rezensionen mancher Tester? Was sind Ihre ganz persönlichen Tipps? Lassen Sie gerne einen Kommentar hier!

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Kommentare: 4
  • #1

    Andrea Birik (Freitag, 06 Mai 2016 21:35)

    Ich weiß das es in vielen Portalen mehr Punkte gibt wenn ein Bericht 300 Wörter überschreitet... mehr Punkte ... mehr Proben , ... so wird es vermittelt...
    LG

  • #2

    Christian (Samstag, 07 Mai 2016 18:42)

    Das ist eine zweischneidige Sache. Die Idee dahinter ist natürlich, dass ein Tester nicht bloß zwei Zeilen Text schreibt, sondern eine ausführliche Rezension hinterlässt. Problematisch wird es dann bei denen, die ihre Rezension ohne Sinn aufblähen, nur um mehr Punkte zu bekommen.
    Man sollte sich einfach nicht davon verleiten lassen und die Rezension so schreiben, dass sie nicht zu kurz ist aber trotzdem zum Punkt kommt. Dann ist sie hilfreich, dann steigt man im Ranking, dann bekommt man mehr und bessere Produkte. Leider verstehen nicht alle diesen Zusammenhang und schauen nur auf den kurzfristigen Vorteil.

  • #3

    Firefly (Mittwoch, 06 Juli 2016 11:45)

    Ich finde es hilfreich, wenn man sich, gerade für Technikprodukte, ein Schema erstellt. Das kann so aussehen:
    Unboxing (Verpackung und Inhalt)
    1. Ersteindruck (inkl. Verarbeitung)
    2. Funktion und Handling (kann bei Bedarf und komplexen Produkten noch gesplittet werden)
    3. Fazit (Zusammenfassung, Begründung für die vergebene Punktzahl, und gerne einige persönliche Sätze)

    So vergisst man nichts, kommt aber nicht ins "Labern".

  • #4

    Christian (Mittwoch, 06 Juli 2016 12:04)

    Danke Firefly, das ist ein guter Tipp! Es gibt sicher nicht die einzig wahre Herangehensweise. Sich eine Struktur zu überlegen ist auf jeden Fall sinnvoll.